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Nachhaltigkeit ist in vielen Bereichen längst fest etabliert. Viele Unternehmen haben sie zum Leitbild gemacht. In der Versicherungsbranche wird der Begriff immer noch etwas diffus verwendet. Viele Versicherer und Versicherungsbroker verstehen darunter zunächst einmal die langfristige finanzielle Stabilität eines Versicherers. Oder wie die Gesellschaft dauerhaft ihre Versicherungsverträge erfüllt.

Oft meinen Broker und Versicherer damit auch die Leistungsfähigkeit einzelner Produkte im Leistungsfall. Ob beispielsweise die private Vorsorgelösung später stabil abwirft, was zuvor prognostiziert wurde. Erst danach bringen viele erfahrene Assekuranzprofis das Thema mit ökologisch, ethisch und sozial ausgewogenen Handlungsweisen in Verbindung.

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Das wirkt vor dem Hintergrund der globalen «Fridays for future»-Massenproteste vieler junger Leute etwas aus der Zeit gefallen. Ihnen geht es sicher auch um finanzielle Stabilität und Leistungsfähigkeit ihrer Versicherungen. Vor allem aber unter der Prämisse, dass die Ergebnisse mit ökologisch, ethisch und sozial vorbildlichen Investments erwirtschaftet werden.

Ressourcenschonende und ökologische Mobilität im Alltag, auch im Vermittleralltag, ist ebenso gemeint. Umweltschutz, Sozialverträglichkeit und Renditesicherheit sollen nicht länger im Widerspruch stehen. Das wünschen sich viele junge Menschen.

Nachhaltig bedeutet heutzutage grün, sozial und leistungsstark. Es geht um mehr als nur gutes Gewissen.

Für die diesjährigen nationalen Parlamentswahlen gehen alle Umfragen davon aus, dass Kandidaten, die sich für den Umweltschutz und gegen den Klimawandel engagieren, besser abschneiden werden. Die Grünen und die Grünliberalen setzen ihren Aufwärtstrend weiter fort und steigern ihren Wähleranteil gegenüber den Wahlen 2015 um 3.4 Prozentpunkte, prognostiziert das SRG-Wahlbarometer vom September 2019.

Gerade Jungwähler werden eher grün wählen. Sie fordern die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) ernsthaft ein. Sie wollen mit ihrer Altersvorsorge oder Krankenversicherung zum Beispiel nicht länger in die Atomenergie- oder Waffenbranche investieren. Der Versicherungsbroker, der künftig noch junge Kunden gewinnen will, ist gut beraten, den Trend ernst zu nehmen.

CSR und Nachhaltigkeit sind existenzielle Zukunftsthemen der Assekuranz

Der Begriff Symbiose ist vornehmlich bekannt aus der Biologie. Er stammt aus dem Altgriechischen und beschreibt das Zusammenleben von artverschiedenen Organismen zum beiderseitigen Vorteil. So verhält es sich auch bei der erfolgreichen Kundenansprache mit der sachlichen und emotionalen Informationsebene.

Beide profitieren voneinander und sind zusammen wirksamer als jede für sich allein. Bei Symbiosen zwischen Partnern, die sich durch ihre Grösse deutlich unterscheiden, wird der grössere Partner oft als Wirt, der kleinere als Symbiont bezeichnet.

Das gilt gleichermassen für die Versicherer und den ganzen Versicherungsvertrieb. Einzelne Unternehmen haben positive Signale gesetzt. Als einer der ersten Versicherungskonzerne managt Swiss Re das gesamte Anlageportfolio nach den ESG-Kriterien.

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ESG ist die Abkürzung für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Die ESG-Kriterien haben sich als Standard für nachhaltige Finanzanlagen etabliert. Im Herbst 2018 haben sich die Mitgliedsgesellschaften des Schweizerischen Versicherungsverbandes (SVV) dazu bekannt, in ihren Anlageprozessen ESG-Kriterien künftig konsequent zu berücksichtigen.

Ein ähnliches Bekenntnis von vergleichbaren Branchen in der Schweiz gibt es nicht. Auch international ist die Schweizer Versicherungsbranche dadurch gut positioniert. Auf der Produktebene ist der Trend ebenfalls angekommen.

Wie beim Strom können Kunden bei einigen Vergleichsportalen und Insurtechs gezielt nach grünen Versicherungen suchen. Der digitale Versicherungs-Marktplatz wefox offeriert Usern auf Nachfrage nachhaltige Vorsorge- und Absicherungsmöglichkeiten.

5 Ideen für das nachhaltige Versicherungsbüro

Zwei internationale Abkommen haben dazu geführt, dass die Rolle der Investoren, auch der Versicherungsinvestoren, für eine nachhaltige Entwicklung vermehrt in den Fokus gerückt ist. Die UNO-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung sollen bis 2030 von allen UNO-Mitgliedstaaten erreicht werden.

Die Schweiz hat in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie den Weg zu zur Zielerreichung skizziert und sieht dabei auch die Finanzwirtschaft in der Pflicht. Weiter fordert das Pariser Klimaabkommen, das von der Schweiz im Juni 2017 ratifiziert wurde, ausdrücklich, dass Finanzflüsse klimaverträglich gestaltet werden.

Die Organisation Swiss Sustainable Finance (SSF) hat 2018 erstmals eine umfassende Marktstudie zu nachhaltigen Anlagen in der Schweiz vorgelegt. Demnach ist der Markt für nachhaltige Anlagen seit 2017 in der Schweiz weiter signifikant gewachsen.

Die Auswertung der Marktumfragedaten ergibt einen Anstieg des Gesamtvolumens um 82% auf 390,6 Milliarden Schweizer Franken. Diese Zahl umfasst alle gemeldeten nachhaltigen Anlagefonds (Anstieg um 47%), nachhaltigen Mandate (Zuwachs um 25%) sowie die von Asset Ownern gehaltenen nachhaltigen Vermögenswerte (Steigerung von 128%). Auf die nachhaltigen Investmentfonds (94,4 Milliarden CHF) entfällt ein Anteil von 24% des Gesamtmarktes für nachhaltige Anlagen in der Schweiz, während der Anteil nachhaltiger Mandate mit 57,9 Milliarden CHF 15% beträgt. Der Anteil nachhaltiger Fonds am gesamten Schweizer Fondsmarkts liegt nunmehr bei rund 8,7%. 

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Doch nicht nur nachhaltige Produkte oder Investitionsstrategien  sind für die Jugend von heute wichtig. Auch das eigene Anbieterverhalten entscheidet mit. Das Auftreten und der Nachhaltigkeitsansatz des Versicherungsbrokers selbst werden wahrgenommen.

Ob freier Versicherungsvermittler oder kleines Brokerbüro – die Möglichkeiten, den eigenen Geschäftsbetrieb zielgruppengerecht nachhaltig zu gestalten, sind kein Hexenwerk. Hier fünf Beispiele:

  • Mobilität: Individualverkehr mit dem Auto ist gerade in Ballungsräumen ein Auslaufmodell. Völlig egal, ob mit Benzin, Diesel oder Strom schmuddelig oder sauber angetrieben. Der Fahrtweg samt Parkplatzsuche verschwendet oft wertvolle Ressourcen. Der nachhaltige Broker spart sich das. Gerade junge Kunden haben heute kein Problem mit der Beratung per Video-Chat. Das schafft für alle Seiten mehr Freiraum.

    Allzeit online sind die Jungen ohnehin. Selbst die Unterschrift geht heute digital. Und wenn es doch das Kundengespräch mit körperlicher Präsenz sein soll, dann tut es statt Auto in den meisten Städten oft auch das Velo oder der ÖV.

  • Zertifizierung: Broker, die sich aktiv um eine soziale, ökologische und nachhaltige Ausrichtung ihres Betriebs bemühen, können sich zertifizieren lassen. Zum Beispiel bietet die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme SQS das internationale IQNet-Zertifikat SR 10 «Managementsystem für soziale Verantwortung» an, das die ökologische, ökonomische und soziale Dimension eines Unternehmens abbildet.

  • Geschäftspartner: Relativ problemlos umsetzen kann der nachhaltige Broker einen Wechsel seines Geschäftskontos. Nämlich zu einer Bank, die soziale, ökologische und nachhaltige Unternehmen beispielsweise über die Kreditvergabe fördert.

    Traditionelle Grossbanken wie Credit Suisse oder UBS haben zwischen 2016 und 2018 etwa 1,9 Billionen Dollar in den Ausbau fossiler Energien gesteckt. So fasst es der aktuelle «Banking On Climate Change»-Report verschiedener Umweltorganisationen zusammen.

    Das verstösst nicht nur offen gegen den zweiten Artikel des Pariser Klimaschutzabkommens, der verlangt, dass Finanzmittelflüsse in Einklang mit emissionsarmer Entwicklung gebracht werden sollen. Das ist auch komplett von gestern her gedacht. Nach vorne denken kann der nachhaltige Broker übrigens auch persönlich bei seinen Firmenkunden.

    Das Teilen von Erfahrungen bei der Umstellung kommt vor allem bei Firmenkunden gut an, die selbst den Prozess anstreben oder mittendrin stecken. Aus einem Vortrag oder Gesprächskreis zum Thema kann schnell direktes Versicherungsgeschäft entstehen.

  • Lieferanten: Die kleinen Dinge spielen bei der glaubwürdigen Umstellung des eigenen Brokerbüros auf Nachhaltigkeit ebenso eine grosse Rolle. Jeder Geschäftsbetrieb verbraucht etwa Strom und muss regelmässig gereinigt werden.

    Der Wechsel zu einem Stromanbieter, der regenerative Energien erzeugt, einkauft und einspeist, ist schnell gemacht. Auch ein Energiecheck, der Stromfresser identifiziert und Einsparmöglichkeiten aufdeckt, lohnt sich.

    Gerade in grösseren Büros ist das Sparpotenzial enorm. Und die Reinigungsfirma ist sicher gerne bereit, die Geschäftsräume mit ökologischen und biologisch abbaubaren Alternativen zu putzen, wenn der Auftrag daran hängt. Das Ergebnis ändert nichts am gewohnten Ablauf oder Erscheinungsbild des Betriebes. Es tut aber am Ende der Jahresbilanz und der Umwelt gut.

  • Marketing: Über das digitale Empfehlungsmarketing mit Gütesiegeln und Zertifikaten hinaus kann der Versicherungsbroker auch das Empfehlungsmarketing vor Ort im Büro nachhaltiger gestalten. Der Kunde freut sich über die Gutscheine lokaler Händler, die nachhaltige Produkte aus der Region anbieten, meist genauso wie über den Gutschein von Amazon, Zalando & Co. Und einige früher sehr beliebte Gutschein-Belohnungen wie das Tankguthaben passen überhaupt nicht mehr in die Zeit.

    Diese Art von Marketing dankt dem Broker nebenbei nicht nur die Zielgruppe. Auch die regionale Wirtschaft, die der Versicherungsbroker damit unterstützt, wird positiv reagieren. Denn er knüpft aktive Kontakte zu diesen Firmen. Am Ende kann er auf diese Weise sogar ein regionales Empfehlungsnetzwerk aufbauen. Eines, dass ohne Frage reichlich aktives Potenzial für das eigene Versicherungsgeschäft besitzt.

Tipp

Kein nachhaltiges Potenzial hat dagegen das reine «Greenwashing» – also aufgesetzte PR-Massnahmen, die Ihr Brokerbüro nur grün aussehen lassen. Der Kunde merkt schnell, dass Sie es nicht ernst meinen, wenn Sie mit dem dicken Geländewagen zum Beratungsgespräch kommen und dann nachhaltige Versicherungs- und Finanzprodukte erklären.

Sollten Sie als Versicherungsbroker mit Nachhaltigkeit bei der Zielgruppe erfolgreich punkten wollen, ist auf echte Substanz zu achten. Produkte, Prozesse, Auftreten – alles muss passen. Dann geht’s auch bei Ihnen mit der Umwandlungsrate von ökologischen Versicherungen ökonomisch nach oben.

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